„Die Menschen dieses Landes sind keine Untertanen.“ – Hans-Jürgen Papier

Offener Brief an Friedrich Merz: Werden Sie ein Bundeskanzler des Friedens!

Clivia von Dewitz

Das Bild zeigt eine Friedenstaube, die durch dunkles nicht deutlich erkennbares Chaos fliegt.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

vor einigen Wochen jährte sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum einundachtzigsten Mal. Über achtzig Jahre Frieden in Deutschland und Europa – das ist für mein Empfinden die größte politische und menschliche Leistung unseres Landes seit 1945.

Ich schreibe Ihnen heute nicht als Richterin und Wissenschaftlerin, die sich seit ihrer Jugend mit Fragen von Frieden, Versöhnung und der Überwindung schwerster Gewalt beschäftigt. Ich schreibe Ihnen vielmehr als Tochter zweier Familien, deren Leben der Krieg für immer gezeichnet hat.

Meine Mutter war vier Jahre alt, als ihre Mutter vor ihren Augen Ende 1944 in Elbing, heute Elbląg in Polen, von einem sowjetischen Soldaten erschossen wurde. Sie hatte sich einer Vergewaltigung widersetzt.

Meine andere Großmutter wurde in Soldin, östlich von Berlin, mehrfach in einer Nacht von sowjetischen Soldaten vergewaltigt. Sie überlebte und war Zeit ihres Lebens traumatisiert. Mein Vater, Jahrgang 1939, musste das mit ansehen und konnte seine Mutter nicht schützen.

Eine solide Grundlage für wahre Versöhnung

Ich war in den letzten Jahren beurlaubt, um meinen an Demenz erkrankten Vater in Südfrankreich zu betreuen. Die Kriegstraumata, die ihn bis zuletzt begleiteten, möchte ich Ihnen an dieser Stelle ersparen. Nur eine Szene hat sich mir besonders eingeprägt: Eines Morgens fand ich ihn auf dem Boden der Dusche, die an sein Zimmer grenzte. Er zitterte am ganzen Leib. In der Nacht hatte es gewittert. Doch er glaubte, die Bomben fielen wieder, und hatte versucht, sich in Sicherheit zu bringen. Auf dem Boden. Im Badezimmer. Im Winter 2026. In Südfrankreich.

Ich kann Ihnen versichern, die Folgen des Krieges begleiteten ihn bis zu seinem Tod im Mai 2026. Und für mich, Jahrgang 1974, ist der Zweite Weltkrieg deshalb bis heute sehr präsent. Er gehört zu meiner Familiengeschichte und damit zu meinem Leben. Ich gehe davon aus, dass viele, deren Vorfahren bei Kriegsende östlich von Berlin wohnten, eine ähnliche Geschichte erzählen können.

In Südafrika habe ich als Jurastudentin im Rahmen eines Praktikums bei der Wahrheits- und Versöhnungskommission 1997 erleben können, wie Opfer einen würdevollen Rahmen erhielten, ihre Leidensgeschichte zu erzählen. Und Tätern schwerster Menschenrechtsverletzungen wurde gegen umfassendes Geständnis Amnestie gewährt. In vielen Fällen konnten die Geschehnisse erst durch diese Geständnisse aufgeklärt, sterbliche Überreste gefunden und Angehörigen eine würdige Bestattung ermöglicht werden. Dieses Modell ist für mich eine solide Grundlage für wahre Versöhnung.

Bis heute frage ich mich, ob unsere Gesellschaft und Politik anders auf die Forderungen nach höheren Verteidigungsausgaben und militärischer Aufrüstung reagieren würden, wenn wir nach dem Zweiten Weltkrieg eine ähnlich tiefgreifende öffentliche und emotionale Auseinandersetzung mit den menschlichen Folgen des Krieges erlebt hätten. So wichtig Mahnmale, Stolpersteine und Gedenkstätten sind – sie können eine gemeinsame emotionale Aufarbeitung nicht ersetzen. Vielleicht würden wir Krieg dann weniger als sicherheitspolitische Option und stärker als menschliche Tragödie begreifen und stärker auf die Kraft von Versöhnung und Diplomatie vertrauen.

Die weisen Worte des Mahatma Gandhi

Versöhnung bedeutete dabei keineswegs, das Geschehene zu vergessen oder von den Opfern Vergebung zu verlangen. Sie setzte vielmehr voraus, dass das erlittene Unrecht öffentlich anerkannt, die Würde der Opfer wiederhergestellt und Verantwortung übernommen wird – verbunden mit dem Bemühen um Wiedergutmachung und darum, dass sich dergleichen nicht wiederholt. Frieden beginnt dort, wo wir verstehen, dass Gewalt immer nur neue Gewalt hervorbringt. Wie Chief Phil Lane Jr. sagte: „Only the one who has been hurt, hurts others.“

Die südafrikanische Wahrheits- und Versöhnungskommission hat eindrucksvoll gezeigt, welche heilende Kraft darin liegen kann, wenn eine Gesellschaft den Mut findet, sich gemeinsam der Vergangenheit zu stellen. „Truth – the Road to Reconciliation“ war nicht umsonst das Motto der Wahrheitskommission in Südafrika.

Wahrhaftiger Frieden entsteht nicht durch das Aussetzen diplomatischer Bemühungen oder gar militärische Abschreckung, sondern durch Aufeinanderzugehen, die Wahrheit aussprechen, Mitgefühl und Versöhnung entwickeln und die Erinnerung daran stärken, dass wir Menschen Fehler machen, die vergeben werden können, aber wiedergutgemacht werden müssen. Ich möchte an die weisen Worte des Mahatma Gandhi erinnern: „Es gibt keinen Weg zum Frieden. Frieden ist der Weg!“

Meine Eltern haben uns übrigens im Geist von Versöhnung erzogen. Sie erinnerten uns immer daran, dass wir Deutschen diesen Krieg begonnen hatten. Es war ihnen wichtig, dass wir verstehen, was Krieg aus Menschen macht. Sie ermahnten uns, zu sehen, dass die Soldaten, die nach Deutschland gekommen waren, um Europa zu befreien, selbst unvorstellbares Leid erlebt haben müssen, was zuvor von deutschen Soldaten ausgegangen war.

Die politische Sprache in Deutschland verändert sich

Als ich 14 Jahre alt war, wohnten wir für eine Woche bei Auschwitz-Überlebenden in Krakau, hörten uns ihre Geschichten an und besuchten das staatliche Museum Auschwitz-Birkenau. Meinen Eltern lag sehr am Herzen, uns die deutsche Geschichte lebendig zu vermitteln.

Für meine Generation gehörten Bilder wie Willy Brandts Kniefall in Warschau, Helmut Kohl und François Mitterrand Hand in Hand in Verdun oder die Zustimmung Michail Gorbatschows zur deutschen Wiedervereinigung zum moralischen Fundament der Bundesrepublik. Sie standen für Demut, Versöhnung und den festen Willen, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen dürfe. Gilt dieses Versprechen nicht auch heute noch? Sollte Deutschland nicht alles daransetzen, seiner historischen Verantwortung vor allem durch die Förderung von Frieden, Diplomatie und Verständigung gerecht zu werden?

Lassen Sie nicht zu, dass wir dieses Erbe verspielen!

Herr Bundeskanzler, mit Sorge beobachte ich, wie sich die politische Sprache in Deutschland verändert. Es wird wieder selbstverständlich über Aufrüstung gesprochen. Deutschland soll wieder „kriegstüchtig“ werden – übrigens ein Begriff, der zum Sprachgebrauch der nationalsozialistischen Kriegspropaganda gehörte. Deutschland soll nach den Vorstellungen der Bundesregierung seine militärischen Fähigkeiten massiv ausbauen und innerhalb Europas eine führende militärische Rolle übernehmen.

Wo bleiben diplomatische Initiativen?

Wer soll das wollen? Ich frage mich, wie unsere unmittelbaren Nachbarn auf eine solche Entwicklung blicken. Polen und Frankreich haben die deutsche Besatzung sicher noch nicht vergessen. Auch in Deutschland dürfte der Wunsch der allermeisten Menschen nicht in einer militärischen Führungsrolle liegen, sondern in einem dauerhaften Frieden.

Warum zeigen wir jungen Menschen nicht viel häufiger, was Krieg tatsächlich bedeutet, etwa durch Filme wie „Unsere Mütter, unsere Väter“? Krieg besteht nicht aus unrealistischen Siegesvisionen und Landkarten. Krieg besteht aus zerstörten Familien, traumatisierten Kindern und Wunden, die sich über Generationen eingraben in die Seelen der betroffenen Menschen und deren Nachkommen.

Wo bleiben von Ihnen unterstützte diplomatische Initiativen? Zwar gibt es einzelne (europäische) Abgeordnete, wie etwa Michael von der Schulenburg, die sich beharrlich für Verhandlungen und neue diplomatische Wege einsetzen. Auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder bemüht sich, seine persönlichen Kontakte für Gespräche zu nutzen. Doch solche Stimmen bleiben bislang politisch weitgehend ohne Rückhalt. Warum eigentlich? Dabei zeigen sie, dass es auch ein Deutschland gibt, das Frieden nicht als Zeichen der Schwäche versteht, sondern als höchste politische Verantwortung, und das sich weigert, Russland zum Feind zu erklären.

Ich rufe noch einmal in Erinnerung: Vor über achtzig Jahren lag Europa in Trümmern, weil Deutschland unter Adolf Hitler versucht hatte, den Kontinent gewaltsam zu beherrschen und Russland zu besiegen. Rund 27 Millionen Menschen aus der Sowjetunion verloren im Zweiten Weltkrieg ihr Leben – Soldaten ebenso wie Frauen, Kinder und ältere Menschen. Hinzu kamen nahezu sechs Millionen Polen, rund 600.000 Franzosen, etwa sieben Millionen Deutsche, viele weitere Millionen Tote und natürlich rund sechs Millionen ermordete Juden.

Mehr als Statistiken: Diese Zahlen stehen für Menschen

Diese Zahlen sind mehr als Statistik. Jede einzelne steht für einen Menschen. Für eine Familie. Für eine zerstörte Zukunft. Für Traumata, die nicht mit dem Ende eines Krieges enden, sondern Kinder, Enkel und oft noch weitere Generationen prägen.

Ohne den unvorstellbaren Blutzoll, den die Völker der Sowjetunion im Kampf gegen den Nationalsozialismus entrichteten, wäre die Befreiung Deutschlands und Europas jedenfalls nicht in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt möglich gewesen. Diese historische Wahrheit darf nicht in Vergessenheit geraten.

Gerade deshalb erfüllt es mich mit Sorge, wenn Vertreter Russlands von Gedenkveranstaltungen ausgeschlossen werden, die an die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus erinnern. Historische Verantwortung verlangt, zwischen den politischen Konflikten der Gegenwart und der Erinnerung an die Millionen sowjetischen Opfer des Zweiten Weltkriegs zu unterscheiden.

Mit wachsendem Unbehagen beobachte ich zudem, wie sich das gesellschaftliche Klima gegenüber Russland und russischen Bürgern verändert hat. Die mühsam aufgebaute deutsch-russische Verständigung der vergangenen Jahrzehnte war ein hohes Gut. Sie leichtfertig aufs Spiel zu setzen, halte ich für einen schweren historischen Fehler.

Herr Bundeskanzler, Sie tragen Verantwortung für die Sicherheit Deutschlands. Aber ebenso tragen Sie Verantwortung dafür, dass unsere Kinder und Enkel nicht eines Tages dieselben traumatischen Erinnerungen mit sich tragen müssen wie meine Eltern.

Frieden als kostbarstes Erbe

Ich wünsche mir einen Kanzler, der den Mut hat, auch dann nach diplomatischen Wegen zu suchen, wenn sie schwierig erscheinen. Den Mut, Gesprächskanäle offen zu halten oder zu eröffnen. Den Mut, an die nächsten Generationen und deren Zukunft zu denken.

Tun Sie bitte alles, was in Ihrer Macht steht, um eine weitere Eskalation des Konflikts zwischen Russland und dem Westen zu verhindern. Setzen Sie sich mit derselben Entschlossenheit für diplomatische Lösungen ein, mit der heute über militärische Stärke gesprochen wird.

Werden Sie ein Bundeskanzler des Friedens. Ein Bundeskanzler für die vielen Menschen in unserem Land, die sich nichts sehnlicher wünschen, als dass ihre Kinder und Enkel niemals erleben müssen, was die Generation meiner Eltern erlebt hat.

Vielleicht besteht genau darin ihre größte Leistung: nicht den Krieg überlebt und Deutschland wiederaufgebaut zu haben, sondern ihren Kindern den Frieden als kostbarstes Erbe hinterlassen zu haben. Bitte sorgen Sie dafür, dass das nicht vergessen wird.

Hochachtungsvoll,
Clivia von Dewitz

Die Autorin ist Richterin und Privatdozentin für Strafrecht, Kriminologie und Rechtsvergleichung. Sie hat 1997 ein Praktikum bei der südafrikanischen Wahrheitskommission absolviert. 2024 erschien „Gerechtigkeit durch Wiedergutmachung“ beim Westend-Verlag.

Dieser Beitrag erschien am 29.07.2026 zuerst in der Berliner Zeitung.

14 Kommentare

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    • Gotthart Schulz auf 5. August 2026 bei 20:07
    • Antworten

    Sehr gehrte Frau Clivia von Dewitz,
    in Ihrem offenen Brief taucht der Name des alten deutschen Städtchens Soldin auf. 1945 hatte dieser Landkreis 50.000 Einwohner, die Stadt selber 5.000. Ich bin in Soldin 1939 geboren. Die Großeltern stammen aus Soldin. Im Januar 1945 flohen wir mit unserer Mutter aus Frankfurt/Oder und waren dann bis Dezember 1945 auf der Flucht. Ich kann hier nicht auf weitere Details eingehen. Als damals Sechsjähriger kann ich mich aber an viele schreckliche Ereignisse erinnern und bin mein Leben lang Kriegsgegner.

    • Martina auf 4. August 2026 bei 11:38
    • Antworten

    Auch meine Eltern haben als kleine Kinder den Krieg erlebt. Meine Mutter hat den Feuersturm in Hamburg heute noch so präsent vor Augen, dass sie kaum die aktuellen Nachrichten erträgt. Sie reagiert darauf sofort mit Tachykardien (zu schnellem Puls) und Bluthochdruck.
    Das zeigt, wie nachhaltig traumatisiert die gesamte Generation ist und war. Wir sollten alles daran setzen, eine Wiederholung zu vermeiden.
    Warum können wir nicht aus der Vergangenheit lernen?!

    • Alexander auf 3. August 2026 bei 21:50
    • Antworten

    Der offene Brief wird an die Person gerichtet, die meinte: „Eine wohlhabende Gesellschaft zu verändern ist viel schwieriger, als ein Land nach Krieg und Zerstörung wieder aufzubauen“. Der Zustand dieser Gesellschaft und des Landes ist offenbar nach Meinung von Merz und Co. nicht reformierbar. Ihm wäre angeblich leichter das Land nach dem Krieg aufzubauen. Die Intellektuellen begehen oft den gleichen Fehler, sie beschwichtigen unwürdige Menschen. Es gab eine Szene in Indien; die Polizei sperrte eine Straße und zeigte den Passanten die Umleitung. Ein Passant hat dennoch versucht geradeaus durch die Sperrung zu gehen. Er wurde von der Polizei mehrmals höflich gebeten, durch die Umleitung zu gehen. Als der Passant wie im Schlafwandel weiter versuchte geradeaus zu gehen, hat ihn der Polizist stark gegen den Kopf geschlagen. Der Passant hat plötzlich wie ein Erwachen und ist sofort in Richtung Umleitung gegangen. Es gibt leider sehr viele Menschen auf dieser Erde, die nur eine andere Sprache verstehen und selbst diese nicht immer. Man kann predigen ohne Ende, am Ende wird ein Mensch mit leeren Augen nur dem Opfer seinen Kopf abschneiden. Man hat wohl vergessen, wie der erwähnte Mahatma Gandhi von einem Fanatiker erschossen wurde. Es gibt m.E. auch nicht ausreichend diplomatischer Bemühungen. Merz und Co. gehören jedoch zu den letzten Menschen, an welche solche berührende Briefe adressiert werden sollen. Die einzige würdige Tat, die er tun kann, ist von seinem Kanzleramt zurücktreten.

      • Mathias Koszyk auf 9. August 2026 bei 18:48
      • Antworten

      Ein bemerkenswerter Input.

      Die ständige Kritik an dem Bundeskanzler ist doch auch erbärmlich, da er ja von der Mehrheit der CDU-Abgeordneten als Kanzlerkandidat
      ausgewählt worden ist. Also die Abgeordneten ihn als die am besten geeignete Person
      unter ihnen erkennen. Hier könnte man zu der Schlussfolgerung kommen, dass in der Politik
      und besonders in der CDU, der zur Führung Deutschlands sich qualifiziert hat,
      der am besten mit der globalen Geld-Macht-Elite kann. Die heutigen Wähler lassen sich das gefallen ggf. weil Geld für die meisten die selbe Bedeutung hat. Daraus folgt, dass alles Ausdruck der Verfassung des heutigen Menschen, im Allgemeinen, ist.
      Erst eine nüchterne Diagnose und damit der Überblick kann Lösungen anbieten und damit
      berechtigte Hoffnung auf Heilung bewirken.

      Also wieder Mal nichts Neues unter der Sonne: „Geld/Mammon re-gier(t) die Welt (Menschen).
      Wozu die Empörung also? Oder die Hoffnungsbemühungen die nur enttäuscht werden können? […]

        • Alexander auf 10. August 2026 bei 12:04
        • Antworten

        Der offene Brief wurde an den Bundeskanzler adressiert, deswegen habe ich im Wesentlichen nur dieses Verhältnis (Verfasser-Kanzler) kommentiert. Sicherlich sind die Ursachen-Wirkungen-Zusammenhänge weiter und komplizierter.

    • Claudia auf 3. August 2026 bei 19:55
    • Antworten

    Es war 1989 als ich durch einen Tiefflieger einen Schrecken bekam. Ich saß in der Sonne, der Düsenjet kam für mich wie ein Knall und in meinem Kopf formte sich der Gedanke „ich muss unter den Tisch, Schutz suchen, sie kommen“. Mein Körper wollte aufspringen und unter den Tisch krabbeln.
    Nachdem ich wieder ruhig geworden war, suchte ich nach einer Erklärung.
    Ich bekam sie später, als meine Mutter mir wieder einmal davon erzählte, dass sie immer als erste die Kampfflugzeuge der Alliierten hörte. Sie weckte die Familie und lief dann in die Küche und … krabbelte unter den Tisch.

    Wer systemisch arbeitet, der weiß um die transgenerationale Übertragbarkeit traumatischer Erlebnisse!
    Als therapeutisch Tätige habe ich mich daher immer für eine Aufarbeitung der Kriegstraumen ausgesprochen. Der Krieg ist solange nicht „vorbei“ i.S.v. aufgearbeitet, solange nicht alle Opfer gesehen und gewürdigt werden.
    Lässt man das traumatische Erbe über Generationen weiterschwelen, schwinden das Gefühl für und das Wissen um diese Dinge. Und es wird immer schwerer die Ursachen von gesellschaftlichen Fehlentwicklungen wie erhöhte Aggression und mangelndes gegenseitiges Verständnis auch dort zu suchen.

    Mein Wunsch wäre es, dass die politische Elite in diesem Land endlich von der Kriegsrhetorik zur Friedenskommunikation wechselt.
    Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Kampfhandlungen. Frieden sollte allgemein das Ziel der Gesellschaft sein, mit dem Verstand erarbeitet und im Herzen gefühlt werden!

    • Friederike Reiche auf 3. August 2026 bei 17:44
    • Antworten

    Liebe Frau von Dewitz,
    auch ich sage danke, danke, danke für diese not-wendigen Worte, mit denen Sie sehr vielen Menschen aus tiefster Seele sprechen!

  1. Liebe Frau von Dewitz,

    Ein Mensch muss es wollen, soll es Lebensverbesserungen geben.
    Ein Mensch muss erkennen, soll es Lebensverbesserungen geben.
    Ein Mensch muss innere Erkenntnisse in äußeres Handeln umsetzen, soll es Lebensverbesserungen geben.

    Einer Regierung die konsequent gegen das Leben handelt, fehlen diese Attribute.

    Das Anzuerkennen, friedvoll Weiterzugehen, ein Licht und Ruhefels in diesen Zeiten sein, ist tägliche Aufgabe eines gesunden Menschenverstandes.

    Aussprechen und Handeln, was im Herzen wichtig, was Geburtsrecht, ist- es werden mehr Menschen.

    Danke für Ihr Handeln.
    Ich danke jedem Menschen, mit Hirn, Herz, Mut und Mitgefühl.

    Alles Liebe, Simone Haake

    • Brigitte auf 3. August 2026 bei 14:07
    • Antworten

    Sehr geehrte Frau von Dewitz,

    danke, danke, danke, für diese klug formulierten eindringlichen und klaren Worte, sowie für die Einblicke in persönliches familiäres Leid bis zu den Nachkommen.

    Das entsetzliche Leid, ebenfalls in Übertragung, ist für mich aus den gleichen Gründen in der Familie mehr als nur nachvollziehbar. Dazu die Toten aus Vertreibung und Lagern nach Ende des Krieges.

    In einem in weiten Teilen mehr als nur empfundener empathie-, gedankenloser und egoistischer Menschen in diesem Land, scheint Etlichen der Ernst der Lage noch gar nicht so richtig bewusst zu sein.
    Dazu kommt oft Realitätsverweigerung, sowie die mangelnde Erkenntnis bzgl. der verkommenen und menschenverachtenden Geld – und Politik-„elite“,deren ökonomischen Gründen (wer verdient am Krieg und Wiederaufbau, an Kontrollsystemen, am Einsatz von Pharma aufgrund kriegerischer Wunden usw.), welche völlig ausgeblendet oder für nicht möglich gehalten werden.
    Herr Rudolph Bauer nennt wohl bereits wesentliche Protagonisten ? ( Ich frage für einen Freund )

    Gemäß dem Psychoanalytiker Dr. Hans Joachim Maaz ( der auch in Halle auf der Krista-Veranstaltung sprach ) werden es die gleichen Eltern sein, die für die gute Sache, wieder angepasst, nach den sinnlosen Masken ihre Kinder in eine Uniform stecken werden.
    Gemäß seinem Buch „Die narzistische“ Gesellschaft“ sind den erbärmlichen Kriegstreibern Grenzen zu setzen ! Bitten werden belächelt werden, mit einem folgenden „weiter so zur Tagesordnung“ (siehe Morde und Vergewaltigungen).

    Zuversichtlich und hoffnungsvoll zu bleiben, daß sich das Gute durchsetzt, immer, i.V.m. mit Menschen die sich finden, versammeln, einander beistehen und einstehen, vernetzen und das unterstützen, dabei Verantwortung übernehmen, trotz oft immenser Verfolgung und rücksichtsloser Denunziation; im Bewusstsein des Rechts und mitfühlender Menschlichkeit. Denn alles geht nicht per Gesetz zu regeln.

    Bleiben wir alle behütet.

    P.S. Ich freue mich wieder von Ihnen zu lesen !

  2. … wie gut, dass es in verwirrten Zeiten wie diesen fühlende und klar denkende Menschen wie Sie gibt, die das aufschreiben, was zu viele Menschen viel zu lange nicht mehr bedacht haben …

  3. Danke Frau von Dewitz, es liest sich alles so logisch und nüchtern, vielleicht hat man uns über viele Jahre einer unbemerkten Gehirnwäsche unterzogen, wenn im Moment der Kriegsgeilheit kein Widerstand spürbar ist. Waschmaschine: die Medien. Mir würde es schon genügen, wenn er ein Kanzler dieses Landes würde, kein Befehlsempfänger und Vasall anderer „Mächte“, welche dieses Land gerne am Abgrund sehen würden. Auf seine Hilfe vertraut man, wie anders kann man verstehen, dass eine Wiederaufrüstung – wohlgemerkt nicht (nur) zur Verteidigung – in Rekordtempo erfolgen soll? Entweder er hat nie eine Schule besucht, bei Geschichte gefehlt, keine familiären Verluste im Krieg erlebt oder mit seiner Empathie stimmt grundsätzlich etwas nicht. Denn alle Ihre Beschreibungen sind bekannt und kann man in vielen Gedenkstätten, speziellen Friedhöfen, Dokus, Filmen etc. nachvollziehen. „Ich frage mich, wie unsere unmittelbaren Nachbarn auf eine solche Entwicklung blicken. Polen und Frankreich haben die deutsche Besatzung sicher noch nicht vergessen“. Sie sind Teil dieser Kriegseuphorie im Konglomerat mit dem Lindwurm EU. Lieber heute wie morgen! Natürlich sollen nur die Loser, Bürger etc. die Kohlen aus dem Feuer holen, die Eigenen evakuiert man vorsorglich, sie sollen ja die Neue Welt regieren – danach, während Europa mal wieder in Schutt und Asche liegt und die Mehrheit ihr Leben lassen musste. „Verbrannte Erde“ kann man besser neu aufbereiten und modifizieren, Schutt muss nur beseitigt werden. Schön, dass Sie diesen Brief verfasst haben, ich denke aber, dass er einer Seifenblase gleicht. Die Aktionäre der Rüstungsfirmen wollen befriedigt werden, Umstellung auf Rüstung anstatt Autos ist in vollem Gange, Vorwärtsgang versteht sich. Und eine unfähige Politik mit Einheitsprogramm kennt nur eine Richtung des Kopfes: abnicken. Wo sind all die Friedensbewegungen wie damals bei Pershing, was funktioniert hat?! Ich baue darauf, dass Millionen junger Menschen Filme wie „Unsere Mütter, unsere Väter“ u.ä. gesehen haben und verweigern, die einzige Möglichkeit dem erneut angedachten Irrsinn ein Ende zu bereiten.

    • Rudolph Bauer auf 2. August 2026 bei 11:19
    • Antworten

    Welch ein erschütterndes Dokument! Frau von Dewitz, Sie sprechen aus, was Menschen, die nicht versteinert sind, fühlen, denken und leiden. Ich bezweifle, dass Sie bei Friedrich Merz Gehör finden. Blackrock regiert. Blackrock’s Untertanen sitzen an den Schalthebeln der Macht, die sie uns spüren lassen. Sprengen wir die Fesseln im Widerstand. Und in Dankbarkeit für Ihre klaren Worte der Verzweiflung.

    • Britta Meder auf 1. August 2026 bei 23:49
    • Antworten

    Danke!!! Ein tief berührender und notwendiger offener Brief. In einer Zeit, in der politische Entscheidungen oft lebensfeindlich wirken und viele Menschen sich nach Orientierung sehnen, schenken solche klaren und mutigen Worte echte Hoffnung.

    Ich bin dankbar, dass es kritische, standhafte Menschen in diesem Berufsstand gibt, die sich nicht beugen, sondern mit Gewissen, Verantwortung und Liebe zum Leben sprechen und es tut gut zu sehen, dass Integrität und Menschlichkeit nicht verloren sind, sondern sich immer wieder zeigen – gerade dann, wenn sie am meisten gebraucht werden.

    Diese Aktion macht Mut: Sie zeigt, dass Veränderung möglich ist, dass Frieden eine reale Option bleibt und dass einzelne Stimmen eine ganze Gesellschaft daran erinnern können, was wirklich zählt. Danke für diesen Beitrag, für die Haltung und für die Hoffnung, die daraus wächst.

  4. Das ist die Grundlage auf welcher in Deutschland ausschließlich Politik betrieben werden sollte! Herr Merz, Ihre Kriegstreiberei und massive Begünstigung der Rüstungsindustrie ist für mich die strafbare „Vorbereitung eines Angriffskrieges!!!“
    Legen Sie Ihre Eigentums- und Vermögens-Verhältnisse RÜCKHALTLOS OFFEN Herr Merz bevor Sie sich weiter für Rüstung und Krieg einsetzen! […]

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